DT: Wie/ wann
kamt ihr zum Writing?
Henks: Ich habe schon sehr früh
angefangen (1988), habe aber nur so ein bißchen rumgemalt (eigentlich
nur gewixt) . Richtig habe ich erst 1992 losgelegt in Stuttgart, represent
Shit, die Line gerockt, Züge gemalt. 1995 war mein härtestes
Jahr. `96 wurde ich dann bei der Wild Side Crew aufgenommen, dann hatte
ich alles erreicht (ha,ha). ´98 mein erstes Auto gekauft (hahaha).
Momentan habe ich nicht soviel Zeit, deswegen male ich nicht mehr soviel,
aber ich male noch sehr gerne und es erfüllt mich noch sehr. Ich verlagere
meine Qualitäten auf die Line, das ist chilliger und da kann man coole
Bilder malen. Die Stuttgarter Line ist sowieso sehr schön (haha).
Pham: Ich male seit 1989. Ich habe
zu diesem Zeitpunkt auch nur gewixt. Ich war ein Jahr in Amerika und als
ich dann `93 zurückkam hatte ich eine Crew gegründet (Der Klan).
Mit denen habe ich eigentlich richtig angefangen. Mit Henks habe ich dann
eigentlich erst so richtig, richtig krass durchgestartet. Dann bin ich
in die HWS Crew aufgenommen worden. Der Klan hat sich aufgelöst. Später
(1996) haben wir dann noch die RDM Crew gegründet:
Henks: Zusammen mit Tango aus Straßburg
und Dare aus der Schweiz
Pham: Ich bin jetzt etwas relaxter-
etwas viel relaxter, zur Zeit male ich eigentlich gar nicht, aber es kommt
bestimmt wieder.
Henks: Graffiti writing ist schon
noch NO. 1, aber du wirst älter und das ganze Szenegetue, das tangiert
dich dann irgendwie nicht mehr so. Du hast irgendwie gar nicht mehr den
Anspruch der Szene zu gefallen. Bei mir hinterm Haus habe ich eine Wand,
die ist ewig lang und an der Line und da male ich, das ist meine Line.
Und meine anderen Partner (Nero und Suma), die haben gar keinen Bock
mehr dort zu malen. Die sagen dann immer, dass ich dort schon so viele
Bilder gemalt hätte. Aber ich finde das cool. Ich habe dort einfach
mehr Bock drauf, als irgendwo anderes zu malen! Ich male da die ganze
Line runter, da steht: Henks, Henks, Henks, Henks, Henks, Pham, Henks,
Henks, Henks, Henks, Henks, Nero, Henks Henks, Henks, Henks, Suma, Henks,
Henks, Henks, Dare. Ich male dort meine Bilder und habe da irgendwie
voll den Fun drauf. Ab und zu noch ein Legales, wenn ich Bock hab.
Und ab und zu nochmal einen Train, aber es ist nicht mehr so wie früher.
Früher da warst du irgendwie Hardcore-Writer und hast dich um jeden
Scheißdreck gekümmert, z.B. wenn irgendwo irgendein dummer Mensch
einen Tag gecrosst hat oder über dich schlecht gelabert hat, dann
hast du sofort den größten Krieg vom Zaun reißen wollen,
hast dich voll aufgeregt und ein Magengeschwür bekommen - das ist
vorbei. So extrem sehe ich es nicht mehr. Ich habe noch Spaß am Stylen.
Und wenn ich so sehe wie sich die Kids gegenseitig stressen, dann kann
ich nur lachen, aber ich hab's früher auch getan. Aber Graffiti-Writing
ist einfach geil und es macht Spaß.
DT: Manche Leute
behaupten, dass Writing Kinderkram sei, und ab 23 Jahren sollte man spätestens
aufhören, was meint ihr dazu?
Henks: Seen hat noch im Subwayart
gesagt „graffiti is for the kids“, aber Seen malt immer noch , denn Writing
das hört irgendwie nie auf. Wenn du ein richtiger Writer warst, dann
kann es schon sein, dass du mit 40 Jahren noch Leinwände malst, aber
Graffiti ist immer noch in dir. In allem was ich tue ist Graffiti - fast
jeden Tag zitiere ich Graffiti. Zu jeder Situation habe ich auch eine passende
Graffitisituation. Ich gebe dir ein Beispiel: Wir machen Musik nebenher
und alles was da an Competition entsteht, das habe ich alles schon mal
durch Graffiti erlebt. Graffiti ist einfach ein zu großer Teil in
mir, so dass ich das niemals aufgeben könnte. Also bin ich wahrscheinlich
Zeit meines Lebens Writer. Das ganze hat mich sehr geformt und deswegen
werde ich es nie vergessen!
Pham: Bei mir ist das genauso.
Du fängst damit an und es begleitet dich eben Jahre lang, über
ein Jahrzehnt. Das legt man nicht von heute auf morgen ab. Das ist nicht
wie Schuhe ausziehen, das ist das Leben. Du wachst morgens auf und denkst
an das Bild das du letzte Nacht gemacht hast, du gehst schlafen und denkst
schon wieder an die nächste Aktion.
DT: Beschreibt
doch mal die Stuttgarter Szene (aktivster Bomber, bester Charakter- Styler,
etc.)
Henks: Momentan teilen sich ein
paar Gruppen das Streetbombing. Die ich aber nicht kenn - wahrscheinlich
bin ich schon zu alt. Die möchte ich hier jetzt auch nicht nennen,
denn die repräsentiere ich nicht. Aber die malen viele Silber Bilder
und... ähm... ja die machen Graffiti- Writing. Von den Stylern sind
aus meiner Sicht One Way (OHS) und Persa hervorzuheben.
Charakters - Watson macht sehr gute Charakters,
aber Stuttgart war noch nie eine große Charakters Stadt. Stuttgart
war schon immer eine Style Stadt, das sieht man ja auch an unseren S-Bahn
Lines. Aber zur Zeit wird immer mehr silbern gemalt, da unter anderem die
Hall of Fame geschlossen wurde, und an der Autobahn wird jetzt gebombt,
weil die Line so voll ist.
Pham: Die Entwicklung zum Silber
Bombing kann ich mir nur so erklären, dass die ganzen neuen Kids keinen
Bock mehr haben sich 8 Jahre hinzusetzen um irgendwann einmal ein großer
Styler zu werden. Da man die simplen Letters relativ leicht erlernen kann,
kommen diese Kids kurzzeitig zu Fame, weil sie eben die ganzen Straßen
zu bomben. Sie haben einfach keinen Bock mehr ganze Tage zusammen mit ihren
Homes zu üben.
DT: Ihr legt also
mehr Wert auf Qualität statt Quantität?
Pham: Auf jeden Fall! So denkt
eigentlich jeder der älteren Generation.
Henks: Der Grundgedanke ist natürlich
den Namen zu verbreiten. Als ich damals angefangen hatte, haben mich
die Styler beeindruckt, weil sie ihr eigenes Ich in die Styles gebracht
hatten.
Weniger haben mich die Berliner Roof Tops
beeindruckt, obwohl ich die auch geil finde. Aber für mich zählt
das ganze Spektrum. Du mußt gut taggen können, mußt coole
simple Letters machen können und du solltest deinen Namen schreiben
können. Aber jeder der irgendwie malt wird irgendwann einmal lockerer.
Ich kenne keinen der seit 18 Jahren non-stop jeden Abend einen Train malt.
Das gibt es nicht! Du hast eine große Zeit und dann wirst du lockerer.
Viele würden jetzt sagen, dass wir uns auf unserem Fame ausruhen und
nur weil sie jetzt nicht mehr auf jedes Dach klettern, entschuldigen sie
sich jetzt mit stylen. Aber ich sehe das wirklich so. Früher habe
ich mit jedem dreckigen Sprühlack probiert ein Bild zu malen. Heute
male ich nur noch, wenn ich die richtigen Dosen dazu habe, wenn ich Caps
habe, wenn ich eine coole Wand habe und wenn ich gutes Wetter habe. Da
brauche ich mich nicht zu ficken und zu quälen und bin am nächsten
Tag dann erst nicht zufrieden mit meinem Bild. Ich möchte es wenigstens
noch am nächsten Tag fotographieren, ohne dass ich kotz!
Pham: Wenn du die Absicht hast
ein Styler zu werden, dann arbeitest du non-stop an deinem Style. Deine
Motivation ist dadurch eine andere, als wenn du nur, nur, nur deinen Namen
verbreiten willst. Dadurch hörst du dann früher auf oder es ist
einem nicht soviel wert, wie einem der sich Jahre zu Hause hinsetzt
und stylt.
Henks: Außerdem kannst du
auch mit Wild Styles Quantität erzielen!
DT: Henks hat
gerade die Dosen angesprochen, was sind für euch richtige Dosen?
Pham: Montana für Trains,
Auto-K, Multona, Sparvar ist auch geil für saubere Bilder.
DT: Die Hall of
Fame am Pragsattel ist geschlossen worden. Wo gibt es den eigentlich
jetzt noch Hall of Fames in Stuttgart?
Henks: Am Schloßplatz gibt
es diesen Skatepark, das ist mehr oder weniger eine illegale Hall of Fame,
manchmal stressen die Bullen, manchmal nicht, meistens stressen die Skater,
weil es ihnen zu sehr stinkt, aber das interessiert ja keinen. Dann haben
die einzelnen Crews noch ihre eigenen Wände. Wir haben unsere eigene
Wand, die ist in der Nähe von Ludwigsburg.
Dann gibt es noch die Unterführung
in Sindelfingen. Aber diese ganzen Hall of Fames können nicht die
am Pragsattel ersetzten (da waren manchmal Sonntagmittags 30 Writer auch
von außerhalb, es war eine zentraler Ort, ein bißchen niedrig,
aber dafür chillig)
Aber ich glaube es wird demnächst
wieder eine neue Hall of Fame in Stuttgart geben. Ich hoffe das diese Hall
of Fame dann von einer Privatperson gestellt wird, weil dann gibt es nicht
so viel Stress.
DT:
Eure Favours:Trains,Wände
Henks: Alles!!!!!! Aber momentan
sind Wände für mich chilliger. Wenn du ein bißchen die
Spielregeln der Line beachtest, dann ist das auch kein Problem, dann mußt
du auch nicht rennen. So kannst du chillig ein Bild malen, trinkst ein
Bier, rauchst eine Kippe...
DT: In welchen
Ländern habt ihr schon gemalt?
Henks: Italien, Schweiz, Frankreich,
ja das war`s.- Ach nein in Holland hab ich noch gemalt- ja, ja das war`s
jetzt – äh, äh ach in New York hab ich auch noch gemalt.
Pham: Schweiz, Bosnien, New York,
Frankreich und in Deutschland ab und zu einmal.
DT: Habt ihr schon
einmal Stress mit den grünen Männchen gehabt, schlimmste Begegnung,
schon einmal eine Strafe zahlen müssen?
Pham: Ich noch nicht (ha, ha)
Henks: Ich bin schon vier Wochen
im Jugendarrest gesessen, da habe ich noch in Bayern gewohnt, vier Hausdurchsuchungen
und schon drei Verfahren, das letzte ist vor einem halben Jahr eingestellt
worden, da haben sie mich beim taggen erwischt. Aber wenn du viel Graffiti
malst wirst du erwischt, ganz klar. Insgesamt mußte ich schon 6-7
Mille abdrücken, für Anwaltskosten etc. Ich war auch schon dreimal
in U-Haft nächteweise und wurde gedemütigt, aber darüber
mußt du stehen, wo gehobelt wird fallen Späne. Du mußt
halt rennen können. Du darfst dich auch nicht hin stellen und rumjammern:
„Oh die Bullen haben mich Scheiße behandelt“, klar behandeln die
dich Scheiße, die hauen dir auf`s Maul, logisch!
Du mußt halt immer rennen und immer
das Maul halten, das ist ganz wichtig. Egal wie verfahren die Situation
auch ist, immer das Maul halten. Und wenn es wirklich schlimm ist dann
gehst du zum Anwalt, der boxt dich raus, ich habe eine gute Adresse (ha,
ha)
DT: Welche Städte
in Deutschland findet ihr am innovativsten- Wer gibt die Richtlinien?
Henks: In den letzten Jahren ganz
klar Berlin, da ist die Competition so groß, dass da einfach eine
große Szene daraus hervorgeht. Früher war München ganz
klar die NO.1. So etwas wie am Flohmarkt, das gab es in Europa nirgends.-
Aber jede Stadt hat so ihre Qualitäten.
DT: Wenn haltet
ihr für den besten Styler?
Henks: Den Besten gibt es nicht!
Aber von den Jüngeren ist aus meiner Sicht Dream einer der Besten
und von den klassischen ist es auf jeden Fall Dare, der hat so viele beeinflußt,
auch heute noch!
Pham: Also ich finde Swet gar nicht
so schlecht. Dann gibt es da noch ein paar Berliner, ich fand Odem z.B.
unglaublich gut.
Henks: Snek war früher ziemlich
gut und mittlerweile gibt es natürlich noch sehr, sehr viele Junge
die auch richtig gut sind.